Tini's Bio

Christina Kosik

Alltagsgeschichten vom Würstelstand am Linzer Donauufer

 

Die Gründerväter und -mütter haben irgendwann begonnen sich beim Wort ‚Austropop‘ weg zu ducken. Die neue Generation kennt diesen Reflex nicht. Im Gegenteil. Man bekennt sich gerne, führt den Weg weiter fort und setzt frische Akzente. 

Christina Kosik, eine junge Frau, seit kurzem in den Zwanzigern stehend, in Linz-Urfahr aufgewachsen und als Teenager von Hannah Montana in eine andere Welt gebeamt wurde.

Von der ersten Folge an war für Christina – sag ruhig ‚Tini‘ zu mir – klar: ‚Musik! Das will ich auch machen‘. Punkt. Keine Diskussion und seither geht sie diesen Weg. Aus Hannah Montana-Plastikpop wurde die auf einer Abrissbirne schaukelnde Miley Cyrus und auch Tini erkannte bald, dass ihre Wurzeln im Grunde woanders lagen…

Vater Anton catchte einst am Wiener Heumarkt in der legendären ‚Knochenmühle‘, verteilte dort Gnackwatschen und Ohrenreiberl an seine Gegner. In seinen besten Zeiten brachten dort Ringer wie Schurl Blemenschütz und Otto Wanz tausende Fans zum Toben. Toni Kosik war einer von ihnen. Kampfname: ‚Der Zigeuner‘. Nachdem der Mann die Ringerstiefel endgültig an den Nagel gehängt hatte, zog er nach Linz und eröffnete einen Heurigen, übernahm später das Gasthaus Lindbauer an der Eisenbahnbrücke, nahe dem Donauufer, schupfte einige Seebuffethütten und avancierte zum Linzer Gastro-Original. 

23 Jahre ist es jetzt her, als Toni, der Ex-Kämpfer, vis-a-vis von seinem Wirtshaus einen Würstelstand hinbaute, der heute von seinen beiden Töchtern betrieben wird. Respektive von Jasmin, der älteren der beiden.

Jasmin ist Christina zwölf Jahre voraus. Die große Schwester, die stets ein Auge auf die Jüngere hat, sie begleitet, berät, oft an ihrer Seite ist und manches einfach abfedert. Dann, wenn Tini jugendlich ungestüm drauflosreitet, versucht Jasmin ein wenig lenkend einzuwirken.

Das funktioniert recht gut. Die Schwestern vertrauen einander und beide haben vor einiger Zeit erkannt, dass es immer noch am g‘scheitesten ist, wenn man sich auf sich selbst verlässt.

 

Jasmin und Tini, die beiden Frauen vom Würstelstand sind weit mehr als nur Grilleurinnen. 

Der Würstelstand ist ein beliebter Anlaufpunkt für Menschen. Alt. Jung. Dünn. Dick. Reich. Ärmer… Beim Standl sind sie alle gleich und die Standlerinnen werden von Wurst zu Wurst bald zu Adressatinnen von Wünschen, Geschichten, Träumen, Tränen der Freude und von erzähltem Leid. Tini und Jasmin hören zu während sie die Bosna herrichten, mit Senf und Zwiebel garnieren, den Leberkäse in die Semmel legen. 

Scharf? Mild? Ketchup?

Es wird scho wieder, net den Kopf hängen lassen‘

Liebeskummer rangiert in der G‘schichtlhitparade ganz oben. Mit Bier, einem G‘spritzen oder einem Glas Billigsekt geht dann der Kummer runter in den Leib. Vielleicht wird man ihn ja so leichter los. Was dazu? ein Kracherl?

Na, net wirklich. Zuckerwasser hilft nicht gegen Herzschmerz. Dann schon eher noch die Bosna mit einem kleinen Jägermeister im Magen neutralisieren!

Der Würstelstand ist Tini’s und Jasmins Biotop und ein reichhaltiger und ewig sprudelnder Quell an Geschichten, die das Leben schrieb. Toni Spira-Land. 

 

Tini hatte ihre Hannah Montana-Phase bald hinter sich. Plastikmusik bleibt Plastikmusik und man ist nicht ewig 15. Dann war da ein deutscher Manager, der einiges dazu beigetragen hat, die Mädchenträume so zu zertrümmern, wie Toni einst seine Gegner.

Geld wurde verbrannt, aber davon lässt sich eine Standlerin aus Linz-Urfahr nicht bremsen. ‚Ich wollte immer schon Musik machen und daran hat sich nichts geändert!‘, so Tini und Jasmin war wieder helfend zur Stelle. Jasmin bot Tini an, ihr kleines Grundstück samt Häuschen zu verkaufen und die hatte es innerhalb von drei Tagen verscheuert. ‚Ich dachte Tini will sich ein Auto kaufen‘, erinnert sie sich, ‚aber die steckte das Geld sofort und direkt in ihre Karriere‘. 

Unbeirrbar zieht der Blondschopf seine Kreise in der Szene. Von Club zu Club. Singt mal da, mal dort. Hauptsache Bühnenluft: ‚Am Anfang haben alle immer gegrinst und geglaubt ich wäre ein Groupie, bis ich dann g’sagt hab: I sing da heut!‘ 

Sie erarbeitete sich Respekt, lernte die Branche kennen, weiß heute, ‚dass das Musikgeschäft echt hart ist‘, lässt sich aber davon nicht abbringen, weiter zu kämpfen.

Die Tochter des ‚Zigeuners‘ hat’s halt in der DNA. Mal holterdipolter, mal direkt – der Weg kann gar nicht genug steinig sein. 

-az-

Die Gangband

Um Christina Kosik, eine Rakete auf Vollschub, haben sich 5 virtuose Musiker geschart und die schönste Gangband der Welt gegründet.

Lukas Antos - Rhythmusgitarre

Mario Stübler - Schlagzeug

Martin Edelmann - Leadgitarre

Sebastian Risavy - Bass

Sidrit Vokshi - Keyboard

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© Roman Pfeiffer

© 2020 Christina Kosik